Teil 1 · 15 Minuten
Sofort ausprobieren
- 5 Min.Nimm eine Idee, über die ihr gerade diskutiert, und schreib sie in drei Sätzen auf.
- 3 Min.Lass die KI die drei stärksten Gegenhypothesen formulieren.
- 7 Min.Die Gegenhypothese, die am meisten wehtun würde, ist das Thema deiner nächsten Kundengespräche.
Gegenhypothese
Challenge diese Produktannahme: [ANNAHME]. Formuliere die 3 stärksten Gegenhypothesen, welche Evidenz sie stützen oder widerlegen würde und den schnellsten fairen Test.
Teil 2 · Fünf Schritte
Sauber vorgehen
Für Entscheidungen, die halten. Zu jedem Schritt ein Praxistipp und ein Prompt zum Kopieren.
- Annahme findenWas wäre teuer, wenn es falsch ist?
- VorbereitenLeitfaden ohne Suggestivfragen
- AuswertenErst einzeln, dann gemeinsam
- OrdnenProbleme vor Lösungen
- TestenKleinster fairer Test
Schritt 1: Die riskanteste Annahme finden
Jede Idee steht auf ein paar Annahmen: Das Problem existiert, es ist groß genug, jemand zahlt dafür, ihr könnt es bauen. Ein Beispiel: Ihr glaubt, Handwerksbetriebe brauchen eine App für die Zeiterfassung auf der Baustelle. Die Gegenhypothese der KI: Die Zeiten kommen längst per WhatsApp ins Büro, und das eigentliche Problem ist das Abtippen dort. Das wäre ein völlig anderes Produkt.
Praxistipp: Fang mit der Annahme an, die am teuersten wäre, wenn sie falsch ist, und für die ihr am wenigsten Belege habt. Mit dem Prompt 07 Problem Statement schärfst du danach das Problem, ohne schon eine Lösung hineinzuschreiben.
Schritt 2: Interviews vorbereiten
Der häufigste Fehler in Interviews sind Fragen, die die Antwort schon nahelegen. Die KI findet sie zuverlässig.
| Suggestiv | Besser |
|---|---|
| „Wäre ein automatischer Export hilfreich?“ | „Erzähl mir vom letzten Mal, als du Daten aus dem Tool gebraucht hast.“ |
| „Nervt dich die manuelle Eingabe?“ | „Wie kommen die Zeiten von der Baustelle ins Büro?“ |
| „Würdest du dafür bezahlen?“ | „Was nutzt du heute dafür, und was kostet dich das?“ |
Leitfaden prüfen
Prüfe diesen Interviewleitfaden: [LEITFADEN]. Markiere jede Frage, die suggestiv ist, eine Lösung vorwegnimmt oder nach zukünftigem Verhalten fragt (zum Beispiel „Würdest du …“). Schlage für jede markierte Frage eine offene Frage nach konkretem, vergangenem Verhalten vor.
Praxistipp: Lass die KI vor dem ersten echten Termin eine Kundin aus deinem Zielsegment spielen und führe das Interview einmal zur Probe. Du merkst sofort, welche Fragen hängen. Die Antworten der KI wertest du natürlich nicht aus. Noch keinen Leitfaden? Der Prompt 03 Interviewleitfaden schreibt dir einen.
Schritt 3: Auswerten, in zwei Stufen
Nimm die Gespräche mit Einverständnis auf und lass sie transkribieren. Mit einer lokal laufenden KI oder einem Tool, das eure Datenschutzverantwortlichen freigegeben haben, verwendest du die Transkripte direkt. Bei jedem anderen Tool entfernst du vorher Namen und Firmennamen.
Stufe 1, jedes Interview einzeln:
Jobs-to-be-Done
Extrahiere aus diesen [INTERVIEWNOTIZEN] die Jobs-to-be-Done. Gib eine Tabelle aus mit: Auslöser, funktionaler Job, emotionaler Job, gewünschtes Ergebnis, heutiger Workaround, Belegzitat und Vertrauensniveau.
Stufe 2, alle Tabellen gemeinsam in einem neuen Chat:
Muster und Widersprüche
Hier sind die Auswertungen von [ANZAHL] Interviews, jeweils mit Nummer: [TABELLEN]. Welche Muster tauchen in mindestens drei Interviews auf? Welche Aussagen widersprechen sich? Was kam nur einmal vor, wirkt aber wichtig? Nenne zu jedem Punkt die Interview-Nummern.
Praxistipp: Lade nie alle Transkripte auf einmal hoch. Dann verschwimmen die Aussagen, und aus einer Bemerkung von einer Person wird schnell „mehrere Kunden berichten“. Die Interview-Nummern machen jedes Muster nachprüfbar.
Schritt 4: Chancen ordnen
Aus den Mustern wird ein Opportunity-Solution-Tree: oben euer Ziel, darunter die Kundenprobleme, darunter mögliche Lösungen und die Annahmen, die ihr noch prüfen müsst. Der Prompt 05 Opportunity-Solution-Tree macht dir einen Entwurf und markiert alles, wofür es keinen direkten Beleg gibt.
Praxistipp: Druck den Entwurf aus oder zeichne ihn auf ein Whiteboard und baut ihn zu dritt in 30 Minuten um. Die KI liefert die Struktur. Welcher Ast zählt, entscheidet ihr.
Schritt 5: Den kleinsten fairen Test planen
Jetzt testet ihr die riskanteste Annahme der gewählten Lösungsidee. Kleine Tests, die fast immer reichen:
- Fake Door: Ein Menüpunkt für die neue Funktion führt auf eine Warteliste.
- Concierge: Ihr erledigt die Aufgabe für fünf Kunden von Hand, bevor ihr etwas baut.
- Klickbarer Prototyp: Fünf Nutzer, eine Aufgabe, ihr beobachtet, wo sie hängen.
- Vorverkauf: Bei B2B-Produkten die ehrlichste Frage nach der Zahlungsbereitschaft.
Experimentbrief
Formuliere einen Experimentbrief für [HYPOTHESE]. Enthalten sein müssen: Zielsegment, Nutzenversprechen, kleinstmöglicher Test, Erfolgssignal, Abbruchkriterium, Risiken und die Entscheidung nach dem Test.
Praxistipp: Schreibt Erfolgssignal und Abbruchkriterium auf, bevor der Test startet, und schickt sie an alle Beteiligten. Hinterher findet jeder Test einen Grund, warum er doch irgendwie erfolgreich war.
Woran du merkst, dass dich die KI in die Irre führt
- Die Zusammenfassung ist glatt und enthält keinen einzigen Widerspruch.
- Ein Zitat klingt gut, steht aber so in keinem Transkript.
- Aus zwei Interviews wird ein Muster.
- Alle Ergebnisse bestätigen, was das Team vorher schon dachte.
Für Heads of Product: So wird es Teamstandard
- Feste Taktung. Jede Woche mindestens ein Kundengespräch pro Produktteam. Die KI-Auswertung macht das bezahlbar.
- Ein gemeinsamer Ablageort. Transkripte, Einzeltabellen und Überblick liegen an einer Stelle, mit Interview-Nummern.
- Kein größeres Vorhaben ohne Experimentbrief. Es kommt erst mit Erfolgssignal und Abbruchkriterium in die Planung.
Dein Team baut viel und lernt wenig über die Kunden? Genau das stelle ich als Interim CPO um. Oder wir sprechen 30 Minuten darüber.
Alle Discovery-Prompts: Research und Discovery (01 bis 07)