Entscheidungen

Priorisierung mit KI: Klarer entscheiden, sauberer begründen

Erst ein Schnelltest in 15 Minuten, dann vier Schritte, damit die nächste Roadmap-Runde mit einer Entscheidung endet, die in drei Wochen noch hält.

Teil 1 · 15 Minuten

Sofort ausprobieren

  1. 5 Min.Nimm die nächste Entscheidung, die ansteht, zum Beispiel drei Kandidaten für das nächste Quartal.
  2. 3 Min.Füll die Platzhalter aus. Für das Ziel genau eine Kennzahl.
  3. 7 Min.Schau zuerst auf die Spalte Evidenz. Sie zeigt dir, wo ihr etwas wisst und wo ihr etwas glaubt.
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Optionen vergleichen

Wir müssen entscheiden: [ENTSCHEIDUNG]. Zeitraum: [ZEITRAUM]. Unser Ziel: [ZIEL MIT KENNZAHL]. Harte Grenzen: [TEAM, BUDGET, TERMINE].
Vergleiche diese Optionen: [OPTIONEN]. Erstelle eine Tabelle mit Wirkung auf das Ziel, Evidenz, Aufwand, Risiko, Abhängigkeiten, reversibel oder irreversibel und wichtigster offener Frage. Markiere jede Zelle, die auf einer Schätzung beruht, mit „(geschätzt)“.

Teil 2 · Vier Schritte

Sauber vorgehen

Für Entscheidungen, die halten. Zu jedem Schritt ein Praxistipp und ein Prompt zum Kopieren.

  1. RahmenEntscheidung, Ziel, Grenzen
  2. VergleichenWirkung und Evidenz
  3. GegenprüfenDie verworfene Option stark machen
  4. FesthaltenMemo mit Verzicht
Meine Erfahrung: Ein Streit über Prioritäten ist selten ein Streit über Punkte. Meist haben zwei Leute unterschiedliche Ziele im Kopf, und das spricht niemand aus. Sobald das Ziel auf dem Tisch liegt, wird die Liste oft überraschend kurz.

Schritt 1: Rahmen

Schreib vor jeder Priorisierung vier Antworten auf. Sie gehören in jeden Prompt, sonst bewertet die KI nach einem Ziel, das sie sich selbst ausdenkt.

  1. Welche Entscheidung? „Was bauen wir im ersten Quartal?“ ist eine andere Frage als „Welches Großkundenprojekt zuerst?“
  2. Welcher Zeitraum? Ein Sprint, ein Quartal oder ein Jahr.
  3. Welches Ziel? Genau eines, mit Kennzahl. Zum Beispiel: Kündigungen im Pro-Tarif von 3 auf 2 Prozent pro Monat.
  4. Welche Grenzen? Teamgröße, Budget, feste Termine, Verträge.

Praxistipp: Einigt ihr euch beim Ziel nicht, hörst du hier auf und klärst zuerst das Ziel. Jede Bewertung danach wäre verlorene Zeit.

Schritt 2: Vergleichen

Mit dem Prompt aus dem Schnellstart bekommst du eine Vergleichstabelle. Für eine B2B-Software mit dem Ziel „weniger Kündigungen“ sieht sie verkürzt so aus:

OptionWirkungEvidenzUmkehrbar?
A: Onboarding neu bauenHoch, wenn Abbrüche in den ersten 30 Tagen die Ursache sindMittel: Nutzungsdaten, keine InterviewsJa
B: Single Sign-onMittel, vor allem bei GroßkundenHoch: 4 Kündigungsgründe, 2 laufende VerlängerungenJa
C: Neue PreisstufeUnklarNiedrig: Bauchgefühl aus dem VertriebSchwer

Leg die Optionen danach in eine einfache Matrix. Daraus folgt direkt, was mit jeder Option passiert:

Matrix mit Wirkung auf das Ziel und Evidenz: Single Sign-on liegt bei Jetzt machen, Onboarding bei Erst testen, Preisstufe bei Streichen
B wird gebaut. A braucht zuerst einen Test, siehe Product Discovery. C fliegt vorerst raus.

Praxistipp: Achte auf die Umkehrbarkeit. Was ihr in zwei Wochen zurückdrehen könnt, verdient eine kurze Diskussion. Eine Preisänderung, die jeder Kunde mitbekommt, eine lange. Ihr arbeitet mit RICE oder ICE? Dann lass die KI zu jeder Zahl die Annahme dahinter schreiben.

Schritt 3: Gegenprüfen

Hier ist KI richtig stark, weil sie keine Lieblingsoption hat. Lass sie für die Option argumentieren, die gerade auf dem letzten Platz liegt.

Die verworfene Option stark machen

Wir haben diese Optionen so priorisiert: [REIHENFOLGE MIT KURZER BEGRÜNDUNG]. Argumentiere so überzeugend wie möglich für die Option auf dem letzten Platz. Nenne die drei stärksten Argumente, welche Daten sie stützen würden und was wir übersehen, wenn wir sie verwerfen.

Praxistipp: Bei großen Entscheidungen hängst du ein Pre-mortem an: Angenommen, die Entscheidung ist in sechs Monaten gescheitert, woran lag es? Meistens bleibt die Entscheidung gleich. Aber du kennst danach die Risiken, die du beobachten musst.

Schritt 4: Festhalten

Was nicht aufgeschrieben ist, wird in drei Wochen neu verhandelt. Ein kurzes Memo verhindert das.

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Priorisierungs-Memo

Schreibe ein kurzes Priorisierungs-Memo für [ENTSCHEIDUNG]. Nutze diese Daten: [DATEN]. Gib Empfehlung, Alternativen, Trade-offs, Annahmen, Gegenargument und die Entscheidung aus, die jetzt nötig ist. Ergänze einen Abschnitt „Was wir bewusst nicht machen“ und ein Datum, an dem wir die Entscheidung überprüfen, mit dem Signal, das uns umdenken lässt.

Praxistipp: Schick das Memo an alle, die einen Wunsch eingebracht haben, auch an die, deren Wunsch nicht drin ist. Das kostet fünf Minuten und spart dir die meisten Nachfragen im nächsten Monat.

Für Heads of Product: So wird es Teamstandard

  • Eine Vorlage für jede Runde. Rahmen, Vergleichstabelle, Memo. Immer in dieser Reihenfolge.
  • Memos an einem Ort sammeln. Nach einem halben Jahr siehst du, welche Annahmen gehalten haben, und euer Team schätzt besser.
  • Jeder Wunsch bekommt eine Antwort. Mit Link zum Memo. Das nimmt viel Druck aus den Gesprächen mit Vertrieb und Geschäftsführung.

Die Priorisierung wird bei euch in jedem Meeting neu verhandelt? Das ist oft ein Zeichen, dass Produktführung fehlt. Als Interim CPO bringe ich das in wenigen Wochen in eine feste Form. Oder wir sprechen 30 Minuten darüber.

Typische Fehler

  • Eine Punktzahl als Wahrheit behandeln. Eine Bewertungsmatrix ersetzt keine strategische Richtung.
  • Mehrere Ziele gleichzeitig. Wer nach Umsatz, Zufriedenheit und Tempo zugleich bewertet, bekommt einen Durchschnitt, der niemandem hilft.
  • Den Aufwand von der KI schätzen lassen. Sie kennt euren Code nicht. Die Schätzung kommt aus dem Entwicklungsteam.

Weitere passende Prompts: 14 Leadership-Entscheidung, 21 Pre-mortem

Häufige Fragen

Kann KI die Priorisierung für mich übernehmen?

Nein. Die KI kennt weder eure Strategie noch eure Kunden so gut wie das Team. Sie hilft beim Vergleichen, beim Aufdecken von Annahmen und beim Aufschreiben. Die Entscheidung und die Verantwortung bleiben bei euch.

Kann ChatGPT einen RICE-Score berechnen?

Ja, die Rechnung ist trivial. Der Wert liegt woanders: Lass zu jeder Zahl die Annahme dahinter ausgeben und markieren, welche Werte geschätzt und welche gemessen sind. Dann dreht sich die Diskussion um die Annahmen, und genau dort gehört sie hin.

Was mache ich, wenn das Team sich trotzdem nicht einigt?

Dann fehlt meistens ein gemeinsames Ziel. Schreib die Entscheidung als Frage an die nächsthöhere Ebene auf, zum Beispiel mit dem Prompt Leadership-Entscheidung. Ein Memo mit Optionen und Trade-offs lässt sich deutlich schneller entscheiden als eine offene Diskussion.

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